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Review: Little Nightmares

In Little Nightmares schlüpft der Spieler in die Rolle von Six, ein kleines, zierliches Mädchen in gelben Regenmantel, dessen große Kapuze zum großen Teil ihr Gesicht verdeckt.
Zu Beginn des Spiels wacht sie auf, in einem dunklen, feuchten und unheimlich bedrückendem Raum, einer Welt so düster und morbide wie aus einem Tim Burton-Film.
Die Welt in der sie sich befindet, auch genannt „Der Schlund“, schaukelt langsam, wie ein Schiff, hin und her.
Ganz allein und nur bewaffnet mit einem Feuerzeug, tappst Six nun durch die dunklen Räume und kann nur erahnen, welche Albträume ihr noch bevorstehen.

Ebenso wenig, wie Six über ihre Umgebung und dem Grauen, welches ihr bevorsteht weiß, wird der Spieler im Unklaren gelassen, was überhaupt vor sich geht.
Der Spieler wird regelrecht ins kalte Wasser geworfen und muss sich langsam durch die dunklen Korridore des Schlunds tasten, immer auf der Lauer vor dem nächsten Unheil, der nächsten schlimmen Begegnung.
Dieses Gefühl der Hilflosigkeit wird fast da gesamte Spiel aufrecht gehalten, es gilt zu experimentieren, zu schauen, wie man am besten vorran kommt, währrend man sich durch die surreal groteske Welt bewegt und nur sporadisch Tutorial-Einblendungen zur Steuerung bekommt.
Diese sind allerdings selten und abgesehen davon gibt es keinerlei Hilfestellung, das Spiel nimmt den Spieler nicht bei der Hand und verstärkt so das hilflose Gefühl der Einsamkeit und Ratlosigkeit von Six.
Der Weg in Little Nightmares führt durch insgesamt vier Kapitel, auf dessen Weg der Spieler diverse knifflige Rätsel lösen muss und gefährliche Konfrontationen überleben muss.
Fangen die Rätsel zu Beginn noch relativ leicht an, werden diese im Verlauf des Spiels durchaus schwerer und Spieler, die wie ich, selten Rätselspiele spielen, werden durchaus an einigen zu knacken haben.
Bei einigen Rätseln ist leider nicht immer ersichtlich, welche Möglichkeiten man hat und was man machen muss, um weiter zu kommen, so dass man häufig mehrfach Dinge ausprobieren muss, bis man die Lösung gefunden hat.
Dies ist an sich nicht weiter schlimm und durchaus Sinn und Zweck von Rätseln, doch da eine falsche Vorgehensweise meist zum tot der kleinen Six führt kann dies schnell zu Frust führen.
Eine der wenigen Schwächen des Spiels sind nämlich die Kontrollpunkte, welche teilweise wirklich unfair gesetzt sind und dazu führen, dass man häufig  die gleiche minutenlange Passage unzählige Male spielen muss, bevor man endlich weiter kommt.
Bei einem klassischen Jump & Run wie Super Mario mag das durchaus akzeptabel sein, bei einem Spiel, welches aus vielen, teils schwierigen Schleichpassagen besteht, fühlt es sich dagegen unfair und unnötig an und hat, zumindest bei mir, einiges an Spielspaß verschenkt.
Das gleiche Problem mit den unfairen Kontrollpunkten hat man auch an Stellen, an denen man auf Gegner trifft.
Sind diese Begegnungen zu Beginn noch relativ leicht zu handhaben, werden diese im späteren Spielverlauf wesentlich schwerer und anspruchsvoller so das man auch dort die gleichen Passagen unzählige Male durchspielen muss, wodurch der Frustfaktor, bei mir, unfassbar hoch war.
Ich persönlich mag schwere Spiele, ich bin ein großer  Fan der Souls-Reihe, doch wo es sich bei der Souls-Reihe belohnend und gut anfühlt, eine schwere Passage zu meistern, fühlt es sich bei Little Nightmares bisweilen einfach nur unfair und frustrierend an.

 

 

Ein weiterer Kritikpunkt, der damit ein wenig einher geht ist die Spiellänge.
Beim Spielen hatte ich mehrfach das Gefühl, dass die unfaire Verteilung der Kontrollpunkte nur so gewählt wurde, um das Spiel damit künstlich in die Länge zu ziehen.
Weil ich so häufig gestorben bin, hab ich knapp vier Stunden für das Spiel gebraucht, allerdings bin ich durch den hohen Frustfaktor auch recht ungeduldig geworden.
Mit besseren Kontrollpunkten dürfte das Spiel gut in ein bis zwei Stunden zu schaffen sein.
Ärgerlich ist vor allem (zumindest auf der PS4), dass die Ladezeiten jedes Mal, mit gut 10 – 40 Sekunden, einfach zu lang sind.
Das sollte bei einem Spiel dieser Art nicht so sein.
Hier hätten sich die Entwickler ein Beispiel an ähnlichen Spielen wie Limbo oder Inside nehmen können, die ohne solche Ladezeiten auskommen und das wesentlich besser handhaben.
Ein weiterer Punkt, dermich in diesem Gefühl bestärkt hat sind einige Tode die ich in dem Spiel hatte.
So gibt es im Spiel einige Stellen mit „cheap deaths“, also Stellen im Spiel, bei denen man, egal wie vorsichtig man ist, oder wie gut man spielt, beim ersten Versuch einfach stirbt, weil man nicht weiß, was kommt.
Die Kamerapostitionen sind manchmal auch ungünstig und haben öfter mal dazu geführt, dass ich sinnlos in den Tod gefallen bin.
So wurde für die Kameraposition die meiste Zeit die klassische Perspektive eines 2D-Plattformers genutzt, spielen tut man dagegen in einer 3D-Umgebung.
Sieht zwar gut aus, behindert manchmal aber und macht die Navigation unnötig kompliziert.

Audiovisuell dagegen ist das Spiel ein absoluter Traum.
Selten habe ich ein, so liebevoll gestaltetes und detailverliebtes Spiel gespielt.
Das Leveldesign ist traumhaft schön und schafft es so unfassbar unheimlich, beklemmend zu sein, wie kaum ein anderes.
Von der Atmosphäre her ist die Welt unfassbar gut und erinnert stark an die surrealen Filme von Tim Burton.
Tarsier Studios schafft es, dass man das Gefühl, welches Six in der Welt spüren muss, selbst zu fühlen.
Man bekommt Gänsehaut und unfassbares Herzrasen, vor allem, wenn man in der Nähe eines Gegners ist.
Verstärkt wird das Ganze von dem wirklich sehr guten Soundtrack, der alles richtig macht und qualitativ absolut einwandfrei ist und perfekt zu einem Horrorfilm passen würde.
Die Klangkulisse ist wirklich mit eines der Highlights des Spiels.
Auch das Charakterdesign ist absolut großartig.
Die wenigen in dem Spiel vorkommenden Gegner, sind alle einzigartig und ekelerregend gruselig, auch diese erinnern stark an Filme von Tim Burton.

 

 

Little Nightmares gefiel mir als Gesamtwerk sehr gut.
Sowohl das Leveldesign, die Spielwelt, das Charakterdesign sowie die ganze Atmosphäre und der Soundtrack konnten mich vollkommen überzeugen.
Die geheimnisvolle Story gefiel mir ebenfalls sehr gut, wobei ich mir, vor allem zum Ende hin, weniger Interpretationsmöglichkeit und mehr tatsächliche Erklärung gewünscht hätte.
Generell fand ich es schade, dass man fast alles an Informationen durch Presseveröffentlichung, Werbung und der offiziellen Website erfahren hat und im tatsächlichen Spiel dagegen kaum etwas erklärt wird.
Das Kontrollpunktsystem hätte man wesentlich besser machen können und ich hoffe sehr, dass die Entwickler bei den Ladezeiten per Patch nachbessern (From Software hat dies bei Bloodborne ebenfalls nachgebessert, sollte bestimmt auch bei Little Nightmares möglich sein).
Von der Spiellänge war ich etwas enttäuscht, da hatte ich einiges mehr erwartet.
Die positiven Aspekte vom Spiel überwiegend aber die negativen und ich finde, dass Tarsier Studios mit Little Nightmares frischen Wind in die Spiele-Welt gebracht hat und trotz mancher Schwächen für ein Indie-Studio ein großartiges Spiel geschaffen haben.
Meinerseits eine absolute Empfehlung!

 

 

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