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Review: Syberia 3

„Die spannende Geschichte rund um die New Yorker Anwältin Kate Walker führt die Protagonistin diesmal tief ins verschneite Osteuropa. Beim Verlassen der Insel Syberia gerät Kate in einen starken Sturm und wird vom Nomadenvolk der Youkol halbtot aus dem Meer geborgen. Diese weigern sich bis heute, sich häuslich niederzulassen und folgen stattdessen dem Weg ihrer geliebten Schnee-Strauße zu deren Brutstätte – für die Youkol ein heiliger Ort.

So wird das liebenswerte Nomadenvolk immer stärker Opfer von Ressentiments der ansässigen Einwohner, durch deren Länder sie ziehen. Doch Kate wäre nicht Kate, wenn sie sich nicht auf die Seite der Youkol schlagen und sie auf ihrer Reise unterstützen würde. Unterstütze Kate auf ihrer kniffligen Reise mit der Maus oder dem Controller. In der komplett in 3D umgesetzten Welt wirst Du viele Orte erkunden und Gegenstände finden, um mit ihrer Hilfe an anderer Stelle weiterzukommen. “ (Inhaltsbeschreibung Astragon)

 

 

Syberia 3 ist mein erster Ausflug in das Universum rund um Kate Walker.
Weil ich bisher noch keinen Teil der Reihe gespielt hatte, wählte ich wie empfohlen die Schwierigkeitsstufe „Reise“ welche dem Spieler visuelle Hinweise auf Gegenstände und Tipps gibt um somit Rätsel zu vereinfachen und dem Spieler dabei hilft, besser in der Story voranzukommen, ohne durch schwierige Rätsel aus dem Geschichtsfluss gerissen zu werden.Rückblickend denke ich jedoch, dass auch eine schwerere Einstellung gut zu schaffen ist, wenn man bisher noch keinen Teil der Reihe gespielt hat.
Was mir beim Spielen als erstes auffällt, ist die doch recht gewöhnungsbedürftige Steuerung in Syberia 3.
Kate Walker läuft sehr langsam an, es dauert bis zu 3 Sekunden nach Betätigung des Sticks, bis sie anfängt zu laufen, dies tut sie dann aber auch gerne mal in die komplett entgegengesetzte Richtung, als die, welche angesteuert wurde.
Wenn sie dann jedoch in Fahrt gekommen ist, möchte sie kaum wieder aufhören.
Lässt  man den Stick los, läuft sie munter noch einige Schritte weiter, bevor sie zum stehen kommt.
Auch Treppen bereiten ihr einige Schwierigkeiten und das Navigieren in kleinen Räumen oder das Positionieren vor einem bestimmten Gegenstand, um diesen anzuwählen, wird dadurch manchmal schwierig.
Das Anwählen von Objekten ist beim Syberia 3 mit einem Controller jedoch, auch wenn man sich bereits davor befindet oftmals sehr schwierig, da ohne einen verfügbaren Cursor, Objekte angewählt werden müssen, indem man die gesamte Kamera so ausrichtet, dass ein spezielles Objekt fokussiert wird.
Befinden sich viele Objekte oder Interaktionspunkte auf engem Raum wird es mitunter schwer, das richtige Objekt zu erwischen.
Auch durch die fixierten Kamerapunkte gibt es gelegentlich Probleme, da nicht immer klar ersichtlich ist, wohin Kate grade läuft und sie oder Dinge, mit denen man interagieren möchte, manchmal hinter Gegenständen verschwinden.
Diese werden meist erst sichtbar, wenn man das Gebiet aus einer anderen Richtung betritt.
Die Gebiete sind jedoch trotzdem alle gut zu durchqueren und wirklich große Probleme tauchen durch die Steuerung nicht auf.
Im gesamten Spiel begegnete man relativ wenigen unsichtbaren Wänden, was für mich ein großer Pluspunkt ist.

 

 

Optisch gefiel Syberia 3 mir gut.
Es legt keinen Fokus darauf, möglichst realitätsgetreu zu sein, sondern behält sich einen Mix aus realistischen und gezeichneten Elementen vor, der eine gute Grundlage für die teils realitätsgetreue und teils fantasievolle Welt, die es wiedergibt, bietet.
Die Stimmung verschiedener Orte wurde gut transportiert, vom trostlosen Krankenhaus zum farbenfrohen Markt schafft das Spiel es, einen in eine Stimmung zu versetzen, die zur Szenerie passt. An etlichen Stellen der Spielwelt gibt es Aussichtspunkte, die einen umfassenderen Blick auf das Spielgebiet ermöglichen.
Diese zu aktivieren erwies sich für mich als sehr lohnenswert, manchmal um einen guten Überblick des Gebiets zu bekommen oder einfach nur um die schöne Aussicht zu genießen.

Obwohl die Protagonisten in Syberia 3 meist heiter sind ist die Story eher düster.
Ein größter Teil des Spiels besteht daraus, Herausforderungen durch das Lösen von Rätseln und Puzzeln zu bewältigen, was ausreichend Auflockerung zwischen die narrativen Passagen erzeugt. Die Rätsel beginnen recht simpel und sind schnell lösbar, werden im Verlauf jedoch komplexer und deutlich Zeit intensiver.
Die Story, die dabei erzählt wird, ist jedoch unterhaltsam und durch einige Auswahlmöglichkeiten für Kate Walker interaktiv.
Es lohnt sich auf jeden Fall, mit jedem zu sprechen und möglichst viel über die Geschichte und Charaktere herauszufinden, da alles einem nützlich sein kann und gesammelte Hintergrundinformationen auch komplett neue Gesprächsmöglichkeiten eröffnen, die einem ansonsten vorenthalten bleiben.
Insgesamt fand ich die Spielgeschwindigkeit und Länge für den Umfang der erzählten Geschichte angemessen, es entstanden wenige Stellen die zu ausgedehnt vorkamen und mit etwa 10-12 Stunden Spielzeit ist es auch komprimiert genug, um auch zum Ende zu kommen, bevor man das Interesse daran verliert.

 

 

 

Die Figuren sind in ihrer Dynamik und Entwicklung sehr unterschiedlich. Während die meisten Charaktere eher als generisch und statisch beschrieben werden können, gab es doch vereinzelt schöne Entwicklungen von Charakteren, die dem Spiel etwas mehr Leben einhauchten als generische Bösewichte und die typischen Verbündeten.
Das Volk der Youkol sind liebenswert und ein aufmunternder Kontrast zu den teils trostlosen Orten, die sie auf ihrer Reise passieren, jedoch auch sehr eindimensionale Charaktere.
Über die Eigenschaften von Kate Walker kann der Spieler zu großen Teilen selbst bestimmen, wodurch man ihr eine Individuelle Note verleihen kann. In Gesprächen hat man immer wieder die Möglichkeit auszuwählen, ob man mit Höflichkeit, Drohungen oder anderen Methoden versucht, sein Ziel zu erreichen.
Welche Wege funktionieren und wie Kate am schnellsten an ihr Ziel kommt, hängt jedoch auch stark von ihrem Gegenüber ab und gut überlegte Entscheidungen rentieren sich für den Spieler.

Der Soundtrack ist ruhig, unaufdringlich und passt sehr gut zu der Atmosphäre des Spiels. Dadurch, dass er selten in den Vordergrund gestellt wird schafft er es, signifikante Szenen hervorzuheben und bewusst wahrgenommen zu werden, wenn er zum Einsatz kommt.

 

 

Insgesamt hat das Spiel mir viel Spaß bereitet, die Puzzelelemente im besonderen waren mein Highlight des Spiels.
Kate Walker war für mich ein sehr sympathischer Charakter und ihre Andeutungen an ihre früheren Reisen und Reisegefährten haben eindeutig mein Interesse für sie und ihre Geschichte geweckt.
Eine große Enttäuschung für mich persönlich war jedoch das Charakterdesign der Youkols.
Obwohl sie ein Stamm Ureinwohner sind, die seit Menschengedenken ihre Reise mit den Schnee-Straußen antreten, sind sie gänzlich hilflos und jedes Problem, welches sich ihnen stellt, ist allein durch die Hilfe der amerikanischen Anwältin lösbar.
Es wurde sich zudem nicht recht entschieden, ob sie in der modernen Welt zurechtkommen sollen oder nicht. Jeder von ihnen beherrscht ein umfassendes Vokabular, sie sind jedoch nicht in der Lage, Kate Walkers Namen richtig auszusprechen und grundlegende grammatische Regeln beherrscht nur ein einziges Mitglied des Stammes.
Ich finde diese Darstellung von Eingeborenenstämmen zu klischeehaft und hätte mir besonders für diese ein besser durchdachtes Charakterdesign gewünscht.

Für mich war dies, wie bereits zu Anfang erwähnt,  der erste Syberia-Teil, den ich gespielt habe.
Obwohl er ohne Vorkenntnisse gut verständlich und spielbar war, hat er klare Verbindungen zu den vergangenen Teilen hergestellt und in mir die Lust geweckt, auch diese Geschichten zu entdecken.
Ein massives Problem welches bei mir auftrat, hinderte mich jedoch, das Spiel selbst abzuschließen.
Im allerletzten Puzzle des Spiels trat bei mir im fast letzten Schritt ein Bug auf, der mich daran hinderte, das Puzzle zu lösen. Somit verlor ich einiges an Spielzeit und die Möglichkeit, das Spiel zu beenden.
Da mein Interesse den Ärger jedoch überwog, sah ich mir ein das Ende des Spiels bei einem anderen Spieler auf YouTube an.
Leider war das Ende deutlich anders als ich es mir erhofft hatte, es kommt sehr abrupt und ist nicht nur offen, sondern erschien mir vollkommen abgehackt und ungeklärt.
Es bleibt nur zu hoffen, dass ein potenzielles Syberia 4 nicht ganz so lange in der Produktion sein wird, wie dieser Teil es war.

 

 

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