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Review: That Dragon Cancer

Das Videospiele Kunst sein können, Kunst sind, dürfte mittlerweile niemand mehr ernsthaft bestreiten können.
Wie in jedem anderen Medium auch, gibt es qualitativ mehr oder weniger gute Beispiele.
Gerade Spiele wie Horizon Zero Dawn, welches durch seine unglaublich schöne Grafik und lebhafte Spielewelt begeistern kann, oder Spiele wie Life is Strange und The Last of Us, die uns mitnehmen auf eine emotionale Reise, in dem sie uns eine spannende Geschichte erzählen und uns mit den Charakteren mitfühlen lassen, Empathie aufbauen… zeigen, dass Spiele mehr sind, als ein Unterhaltungsmedium.

Ein weiteres Beispiel, wie sehr Spiele uns, nur durch seine Geschichte und seiner simplen Optik berühren und auf eine emotionale Reise schicken können und mehr als gut beweisen, dass Videospiele eben doch eine ernstzunehmende Kunstform sind, ist das Spiel That Dragon Cancer, welches nicht ohne Grund diverse Auszeichnungen und Standing Ovations bekommen hat.

In That Dragon Cancer verarbeitet Ryan Green, der Vater und Entwickler des 5 Jahre alten Jungen Joel Green, den schweren Weg aus Angst, Hoffnung, Verzweiflung aber vor allem Liebe, während der Zeit als sein Sohn gegen den Albtraum vieler Menschen kämpfte und schließlich verlor – Krebs.
Bei diesem Thema dürfte es den meisten Menschen nicht sonderlich schwer fallen, direkt Empathie und Verständnis zu zeigen, so haben viele bereits einen lieben Menschen aus ihrem näheren Umfeld an dieser grauenvollen Krankheit verloren.

Die von Green gewählte First- und Third-Person-Perspektive ist gut gewählt und schafft es, die schmerzliche Situation mit dem traurigen Ende umso intensiver mitzuerleben und das Schicksal um so realer, greifbarer zu machen.

That Dragon Cancer ist ein Spiel, auf das man sich einlassen muss.
Es ist ein Spiel, welches einen berührt und einem nahe geht, sehr nahe.
Auch jetzt beim Schreiben dieses Reviews bekomme ich eine Gänsehaut und muss schwer schlucken, wenn ich an das Spiel zurück denke.
Das Spiel ist schwer, nicht von der Spielemechanik her, sondern emotional.
Green schafft es allerdings, das Thema mit dem nötigen Respekt zu behandeln und auch das von ihm gewählte Design ist mehr als treffend gewählt.
So begegnen einem im Spiel gesichtslose Polygon-Charaktere, die menschlich genug sind, um sich einzufühlen, aber dennoch eine gewisse Distanz zu wahren.
Der Stil ist simpel und lenkt somit nicht von der Story ab und auch wenn er von der Qualität recht rudimentär ist, stört es nicht und nach einer kurzen Eingewöhnungsphase sieht man komplett darüber hinweg.
Unterstützt wurde Ryan Green von seiner Frau Amy Green, welche die Texte geschrieben hat und dem Spiel dadurch einiges an Tiefe verlieh.

 

 

Je näher man zum Ende des Spiels kommt, desto schwerer wird es.
That Dragon Cancer schafft es, dass der Spieler das Gefühl der Verzweiflung, des „nicht-wahrhaben-wollens“ zu durchleben und man muss sich förmlich zwingen, weiterzuspielen.
Letztendlich ist das Ende aber unvermeidbar.

Und so bin ich Schlußendlich doch froh, als das Spiel vorbei war, da, trotz der Trauer und der Verzweiflung, ein großer Ballast von mir fiel.
Selten hat mich ein Spiel so emotional berührt und getroffen und auch, wenn ich nicht weiß und mir nicht annähernd vorstellen kann, wie es ist, sein eigenes Kind an Krebs zu verlieren, so habe ich doch eine Ahnung davon bekommen.

Doch warum sollte man ein Spiel spielen, nachdem man sich schlecht fühlt?
Das muss jeder für sich selbst beantworten, ob er das möchte.
Es hilft auf jeden Fall zu verstehen.

 

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